Von Jesus zu Christus

Art.Nr.:
978-3-86772-013-7
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Rudolf Steiner
Von Jesus zu Christus
Ein Grundkurs in Christologie

1 öffentlicher Vortrag in Karlsruhe am 4. Oktober 1911 und
10 Vorträge in Karlsruhe vom 5. bis 14. Oktober 1911
(auch in GA 131)

2. Auflage 2016 (neu durchgesehen und erweitert durch den öffentlichen Vortrag, handschriftliche Notizbucheintragungen, Faksimiles, Textvergleich und Inhaltsangaben)

408 S., gebunden
ISBN 978-3-86772-013-7

12,00 EUR
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In einer Zeit der schwierigen Beziehung zum Christentum und zu Christus können diese elf Vorträge Steiners wie ein Befreiungsschlag wirken: ein frischer, wissenschaftlicher Zugang zu dem, was durch das Christus- Ereignis in der Natur, in der menschlichen und in der rein geistigen Welt geschehen ist, um jedem einzelnen Menschen Kräfte der inneren Erneuerung zur Verfügung zu stellen.
 


Klappentext:
«Wer sich in die heutige Art des geisteswissenschaftlichen Strebens hineinfindet, der wird die Überzeugung gewinnen, dass diese Geisteswissenschaft in der Form, wie sie wirken will, in den breitesten Kreisen populär werden kann … in einer Form, die so wissenschaftlich ist, dass jedes Herz und jede Seele sie verstehen kann.»
Rudolf Steiner (im 9. Vortrag)
 


Inhaltsangaben (PDF, 165 kb)
Nachwort (Vorwort zur 1. Auflage 2006) (PDF, 113 kb)
Zu dieser Ausgabe (PDF, 110 kb)
 

Klartextnachschrift zum öffentlichen Vortrag
4. Oktober 1911 (PDF, 6,1 mb)
 

S. 14:
«Dieses Thema gehört zu den schwierigsten, aber auch zu den heiligsten für das menschliche Nachdenken. All das, was im Zusammenhang mit den Ereignissen von Palästina und dem Mysterium von Golgota steht, hat viele Jahrhunderte im Mittelpunkt alles menschlichen Seelenlebens gestanden. Für viele Tausende von Menschen bedeutet der Name des Christus Jesus etwas, und wenn auch diese so wichtige Frage von allen möglichen Standpunkten betrachtet worden ist, so kann man sagen, dass alle diese Standpunkte ein wichtiges Element im Seelenleben von Millionen von Menschen seit den Ereignissen von Palästina gebildet haben.»

S. 44:
«Das Erleben des Christus ist durch das Ereignis von Palästina für die Menschheit möglich geworden. Der Mensch kann den Christus unabhängig von den äußeren Dokumenten finden und erleben. Der Christus ist und wird bleiben der Eckstein der ganzen Entwicklung. Je weiter die Menschheit kommen wird, umso mehr wird sie die Realität des Christus erkennen. Und wenn sie den Christus erkennt, wird sie die Möglichkeit haben, auch den Jesus von Nazareth in seiner wahren Gestalt zu erkennen.»

S. 61:
«Eine Geisteseinweihung war die Einweihung der Rosenkreuzer. Sie war niemals eine Willenseinweihung, denn der Wille des Menschen ist etwas, was als ein Heiligtum im Innersten der Seele geachtet wurde.»

S. 70:
«Es gibt kaum einen größeren Gegensatz in der Kulturentwicklung der letzten Jahrhunderte als den zwischen dem Jesuitismus und dem Rosenkreuzertum, weil in dem Jesuitismus nichts von dem enthalten ist, was das Rosenkreuzer­tum als das höchste Ideal der Beachtung von Menschenwert und Menschenwürde ansieht – und weil sich das Rosenkreuzertum immer vor jedem Einfließen dessen hat bewahren wollen, was auch nur im schwachen Sinne als ein jesuitisches Element bezeichnet werden kann.»

S. 80:
«Über eines müssen wir uns aber klar sein: Dass ein gewaltiger Unterschied besteht, nicht in der Idee von den wiederholten Erdleben selbst, sondern in der Art und Weise, wie man rein in Gedanken zu dieser Idee im Abendland gekommen ist, und dem Weg, wie der Buddhismus diese Idee vertritt.»

S. 82:
«Was eine Seele sich erringt, das hat diese Seele nicht bloß für sich, sondern für die ganze Menschheit errungen. Die Menschheit ist ein großer Organismus, und die Wiederverkörperung wird für Lessing notwendig, damit das ganze Menschengeschlecht vorrücken kann.»

S. 83:
«Was hat dem abendländischen Menschen diese Notwendigkeit beigebracht, nicht nur an den einzelnen Menschen zu denken, sondern bei den wichtigsten Angelegenheiten immer im Auge zu haben, dass man es mit Angelegenheiten der gesamten Menschheit zu tun hat? Diese Notwendigkeit ist in ihm dadurch entstanden, dass er in seine Gemütssphäre, in seine Gefühlswelt aufgenommen hat die Worte des Christus Jesus von der menschlichen Verbrüderung über alle Nationalitäten, über alle Rassencharaktere hinweg, von der gesamten Menschheit als einem großen Organismus.»

S. 100:
«Denn erst im 20. Jahrhundert wird eine Erneuerung des Christus-Ereignisses stattfinden, indem eine höhere Entwicklung der menschlichen Erkenntniskräfte beginnt und dadurch die Möglichkeit herbeigeführt wird, dass im Laufe der nächsten drei Jahrtausende auch ohne besondere esoterische Vorbereitung immer mehr Menschen eine unmittelbare ­Anschauung von dem Christus werden erlangen können.»

S. 142-143:
«Geisteswissenschaft ist aus dem Grund da, weil heute viele Seelen, mehr als sie selbst es wissen, die Fähigkeit haben, aus der geistigen Welt solche Einflüsse, wie sie geschildert worden sind, zu empfangen. Aber solche Seelen brauchen
dazu eine Erleichterung durch ein Verständnis für die geistige Welt. Niemand findet sich in die Geisteswissenschaft hinein, der nicht eine aufrichtige Sehnsucht danach hat, etwas von dem zu erkennen, was eben ausgeführt worden ist. Manche werden durch Neugierde oder dergleichen in die geisteswissenschaftliche Bewegung hineingetrieben. Die aber, die mit aufrichtigem Herzen hineingetrieben werden, die fühlen die Sehnsucht, ihre Seele dem zu öffnen, was von unserer Zeit angefangen die künftigen Epochen der Menschheitsentwicklung vorbereitet.
Solche Menschen brauchen heute Geisteswissenschaft aus dem Grund, weil die Seelen andere werden, als sie noch vor Kurzem waren. So wie die Seelen eine große Umänderung erlitten haben in der Zeit, in die das Ereignis von Golgota fiel, so werden sie wieder eine große Umänderung in unserem und in den nächsten Jahrhunderten erleben. Das Entstehen der geisteswissenschaftlichen Bewegung hängt damit zusammen, dass die Seelen, wenn sie sich darüber auch nicht bewusst sind, das dunkle Gefühl haben, dass so etwas in unserer Zeit vor sich geht.»

S. 144:
«Was ist zu einer Erklärung des Christus-Ereignisses geschehen, und was muss geschehen? Denen, die sich auf geisteswissenschaftlichem Weg dem Verständnis des Christus-Ereignisses nähern, muss klar sein, dass die Evangelien von Leuten geschrieben worden sind, die mit geistigem Auge nach dem Christus-Ereignis hinschauen konnten, die nicht eine äußerliche Biografie schreiben wollten, sondern die alte Einweihungsschriften nahmen und darauf hinwiesen, wie das, was in den Tiefen der Mysterien stattgefunden hatte, sich durch den Gang der Menschheitsentwicklung auf dem Plan der Geschichte zugetragen hat.»

S. 157:
«Es ist heute in den weitesten Kreisen die Unart vorhanden, dass man meint, auch was das Höchste in der Welt ist, muss in der allereinfachsten Weise zu begreifen sein. Und wenn jemand gezwungen ist, über die Quellen des Daseins kompliziert zu sprechen, so muss man dies schon aus dem Grund ablehnen, weil der Satz gelten soll: Die Wahrheit muss einfach sein.»

S. 200:
«Und den ‹zweiten Adam›, den Christus, betrachtet Paulus im Gegensatz dazu als den, der den ‹unverweslichen Leib›, den unsterblichen Leib innehat. Paulus setzt voraus, dass durch die christliche Entwicklung die Menschen in die Lage kommen, an die Stelle des ersten Adam den zweiten Adam zu setzen, an die Stelle des verweslichen Leibes des ersten Adam den unverweslichen Leib des zweiten Adam, des Christus, anzuziehen. Nichts Geringeres also, als was ‹die moderne Weltanschauung› (s. S. 193) zu durchlöchern scheint, nichts Geringeres scheint Paulus von denen zu fordern, die sich Christen nennen: Wie der erste, verwesliche Leib von Adam abstammt, so stammt der unverwesliche Leib vom zweiten Adam, vom Christus.»

S. 236:
«So ist das, was mit dem Christentum in die Welt gekommen ist, nicht bloß als eine neue Lehre anzusehen – das muss ausdrücklich betont werden –, nicht bloß als eine neue Theorie, sondern als etwas Reales, Tatsächliches. Wenn die Menschen betonen, dass alles, was der Christus gelehrt hat, schon früher da war, so würde das für das Verständnis des Christentums nichts bedeuten, denn das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist nicht, was der Christus gelehrt hat, sondern das Wesentliche ist das, was der Christus gegeben hat: sein unverweslicher Leib.»

S. 266:
«Wie findet der einzelne Mensch die Möglichkeit, das in sich aufzunehmen, was von dem Christus durch die Auferstehung ausgegangen ist?
Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, müssen wir zweierlei unterscheiden. Als das Christentum als Reli­gion in die Welt getreten ist, da war es nicht bloß eine Religion für esoterisch strebende Menschen, das heißt für solche Menschen, die auf einem Geistesweg an den Christus herankommen wollen, sondern das Christentum ist eine Religion, die für alle Menschen geeignet sein soll, die von allen Menschen aufgenommen werden kann. Daher darf nicht geglaubt werden, dass eine besondere okkulte oder esoterische Entwicklung notwendig sei, um den Weg zum Christus zu finden. Wir müssen einen allgemeinen Weg zum Christus ins Auge fassen, einen Weg, den eine jede Seele, ein jedes Herz gehen kann.»

S. 267:
«Im 19. Jahrhundert ist dann dieser Weg zum Christus den Menschen am allermeisten verloren gegangen. Das ist begreiflich, wenn wir ins Auge fassen, dass wir vor dem Ausgangspunkt eines neuen Weges zum Christus stehen. Wir haben öfter von diesem neuen Weg gesprochen, der sich den Seelen als eine Erneuerung des Christus-Ereignisses eröffnet. Es ist in der Entwicklung der Menschheit immer so, dass eine Art Tiefstand in Bezug auf eine Sache eintreten muss, bevor ein neues Licht kommt. So ist die Abwendung von der geistigen Welt, wie sie im 19. Jahrhundert eingetreten ist, nur gegenüber der Tatsache zu verstehen, dass im 20. Jahrhundert in der Weise, wie es öfter erwähnt worden ist, eine neue Epoche für das geistige Leben der Menschen beginnen muss.»

S. 276:
«Es ist für die heutigen Menschen toll (abwegig), zu denken, dass in der Welt draußen zerstörende Kräfte dadurch wirken, dass jemand einen unrichtigen Gedanken hat. In den alten Mysterien wurde aber dem Menschen klargemacht, dass, wenn jemand lügt oder einen Irrtum begeht, dies ein realer Vorgang in der Welt ist, der nicht bloß mit ihm etwas zu tun hat. …
Das hat der Mysterienschüler damals eingesehen: Wenn du eine Lüge sagst, bedeutet das in der übersinnlichen Welt die Verfinsterung eines Lichtes; wenn du eine lieblose Handlung begehst, so wird durch das Feuer der Lieblosigkeit in der geistigen Welt etwas verbrannt. Und mit deinen Irrtümern löschest du Licht aus dem Makrokosmos aus. Das war die Wirkung, die dem Schüler als ein objektives Ereignis gezeigt wurde: dass durch den Irrtum etwas in der astralischen Welt ausgelöscht wird, dass durch die Lüge Finsternis auftritt, dass eine lieblose Handlung wie ein zerstörendes, verbrennendes Feuer wirkt.»

S. 286:
«Denn der hat eine geringe Meinung über das Christentum, der glaubt, dass es hinweggefegt würde, wenn die äußere Form des Christentums einer bestimmten Zeit hinweggefegt wird. Nur der hat die richtige Meinung vom Christentum, der von der Überzeugung durchdrungen ist, dass alle Kirchen, dass alle äußeren Formen, die den Christus-Gedanken gepflegt haben, zeitlich und daher vorübergehend sind, dass aber der Christus-Gedanke sich in immer neuen Formen in die Herzen und Seelen der Menschen in der Zukunft hineinleben wird, so wenig sich diese neuen Formen heute auch zeigen.»

S. 299-300:
«Das aber, was jetzt eintritt und was der geistigen Welt angehört, was nur in der übersinnlichen Welt beobachtet werden kann, das ist mit den Worten charakterisiert worden: Der Christus wird zum Herrn des Karmas für die Menschen. Das heißt, die Ordnung der karmischen Angelegenheiten wird in der Zukunft durch den Christus geschehen. Immer mehr Menschen werden empfinden: Ich gehe durch die Pforte des Todes mit meinem karmischen Konto. Auf der einen Seite stehen meine guten, gerechten und schönen Taten, meine guten und verständigen Gedanken, auf der anderen Seite steht alles Böse, alles Dumme, Törichte und Hässliche. Wer aber für die Verkörperungen, die in der menschheitlichen Entwicklung folgen werden, das Richteramt haben wird, um Ordnung in dieses karmische Konto hineinzubringen, das ist der Christus! … Wir müssen unser Karma so ausgleichen, dass wir zugleich in der bestmöglichen Weise den Fortschritt des ganzen Menschengeschlechts auf der Erde fördern.»

S. 308-309:
«Das Schauen des Christus-Ereignisses hängt nicht davon ab, ob wir in einem physischen Leib verkörpert sind, wohl aber die Vorbereitung dazu. Wie es notwendig war, dass sich das erste Christus-Ereignis in der physischen Welt abgespielt hat, damit es dem Menschen zum Heil gereichen konnte, so muss die Vorbereitung, um das Christus-Ereignis des 20. Jahrhunderts zu schauen, um es verständnisvoll zu schauen, hier in der physischen Welt gemacht werden. Denn der Mensch, der es unvorbereitet schaut, wird es nicht verstehen können, wenn seine Kräfte erwacht sind. Der Herr des Karmas wird ihm wie eine furchtbare Strafe erscheinen. Um dieses Ereignis zu verstehen, muss der Mensch vorbereitet sein.»

S. 318:
«Dass wir freie Wesen sein können, das verdanken wir einer göttlichen Liebestat. Wir dürfen uns als Menschen wie freie Wesen fühlen, dürfen aber nie vergessen, dass wir diese Freiheit der Liebestat eines göttlichen Wesens verdanken.»